Zur Arbeit der Altarbaufirmen um 1900

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verzeichnet die Schweiz eine überaus aktive Kirchenbautätigkeit.
Das einzige schweizerische Zentrum für Kirchenausstattungen bildet die Stadt Wil. Hier gibt es im Zeitraum von 1850 bis um 1920 verschiedene Altarbau-Ateliers.

Die zeitlich jüngste Firma "Gebrüder Marmon und Blank" übernimmt nach dem Tod des Kunstmalers und Altarbauers Carl Glauners (1916) dessen Werkstatt und führt den Betrieb bis in die fünfziger Jahre weiter. Die Firmenleiter, Franz und Alfons Marmon, stammen aus Sigmaringen, wo sie ein grosses Altarbauunternehmen besitzen. Zusammen mit ihrem einstigen Lehrling, dem aus Langenenslingen gebürtigen Anton Blank (1884-1971), erwerben die Gebrüder Marmon 1908 das Atelier von Altarbauer Johann Nepomuk Neumann in St. Gallen als Filialbetrieb von Sigmaringen, bevor sie es zugunsten der Glaunerschen Werkstatt in Wil aufgeben, selber aber nie in Wil wohnhaft sind.

Diese Altarbaufirmen hat man sich als Grosswerkstätten vorzustellen, in denen bei normalem Geschäftsgang etwa 6-12, in Spitzenzeiten bis zu 20 Handwerker beschäftigt sind.
Ausser den mit mechanischen Hilfsmitteln tätigen Altarschreinern arbeiten sämtliche übrigen Angestellten ausschliesslich von Hand: Kunstschreiner, Figuren- und Ornamentbildhauer, Maler, Vergolder.
Ihr Arbeitsbereich in der Kirchenausstattung liegt weitgehend beim Mobiliar: Altäre, Kanzeln,
Beichtstühle, Kreuzwegstationen, Chorstühle, Kommunionbänke, Orgelgehäuse Figuren sowie die Krippen.

Für die Firmen Glauner und Marmon und Blank belegen Arbeiterverzeichnisse die Herkunft der
Handwerker. Auffallend ist das Überwiegen badener, württembergischer, bayrischer und tiroler Arbeitskräfte, die sich oft nur für die Dauer eines Jahres in Wil niederlassen (Gesellenwanderung!).
Auch verschiedene langjährige Mitarbeiter stammen aus diesen Regionen, und ihr Einfluss auf die künstlerische Gestaltung der Altäre liesse interessante stilkritische Spekulationen zu.

In der Frühzeit des Wiler Altarbaus fehlen derartige Angaben. Hier treten aber deutlich die Leistungen einheimischer Kräfte in den Vordergrund, obwohl auch sie Einflüssen aus dem süddeutschen Raum ausgesetzt sind.